Die Umstellungsprozesse können bei Industrieunternehmen sehr komplex sein.

Essen (energate) – Das Essener Start-up Digasko hat sich auf die Abwicklung der Marktraumumstellung vor allem bei Industrieunternehmen spezialisiert. Anders als bei Haushaltskunden gibt es wenige Vorgaben für die teilweise sehr komplexen Anpassungen der unterschiedlichen Gasverbrauchseinrichtungen bei Industrieunternehmen und somit auch keine eindeutigen Kostenvorgaben.

Die Kosten der notwendigen Umrüstung von L-Gas auf H-Gas werden zunächst vom Netzbetreiber erstattet und anschließend über die Marktraumumstellungsumlage sozialisiert. Unkritisch ist dabei lediglich die Kostenanerkennung und -erstattung in einer Höhe von bis zu 5.000 Euro. Dieser Schwellenwert ist in der Kooperationsvereinbarung festgelegt. Die Umstellungsprozesse können bei Industrieunternehmen aber sehr komplex und mit Kosten von deutlich mehr als 5.000 Euro verbunden sein. Je nach Einsatz des Erdgases besteht bei bestimmten industriellen Gasanwendungen wie zum Beispiel Industrie-Kesselanlagen, Porzellan-Brennöfen oder Wärmebehandlungsöfen die Möglichkeit, dass die anstehende Gasbeschaffenheitsänderung zu Anpassungen oder Störungen in den Produktionsabläufen aber auch zu erheblichen Qualitätsschwankungen bei den produzierten Produkten führen kann. Digasko übernimmt unter anderem den gesamten Abstimmungsprozess zwischen Industrieunternehmen, Netzbetreiber und den zuständigen Regulierungsbehörden, um die Anerkennung der Kosten zu klären. „Jede Thermoprozessanlage bei Industrieunternehmen ist ein Unikat, sodass es auch mal schnell um Millionen-Euro-Beträge für die notwendigen Umrüstungen gehen kann“, sagte Uwe Pfannschmidt, einer der Gründer und Geschäftsführer, im Gespräch mit der energate Publikation „ener|gate Gasmarkt“.

Bei der Umstellung muss gegebenenfalls eine Vielzahl von Anlagen angepasst werden. Die Projekte zur Umstellung industrieller Produktionsprozesse sind deshalb häufig sehr aufwendig, da die Anpassungsmaßnahmen zeitlich sowohl zu den Produktionsabläufen als auch zu den Umstellungszeitpunkten passen müssen. Oftmals ist dabei die Verantwortung für die Umstellung zwischen Netzbetreiber und Industrieunternehmen ungeklärt. Für die Netzbetreiber ist die Anpassung der individuellen Gasverbrauchseinrichtungen in der Regel deutlich zu komplex und außerhalb ihrer Kernkompetenz. Digasko agiert in diesen Projekten vor allem als Moderator und Gutachter, kann aber auch das Projektmanagement übernehmen. „Damit schaffen wir auch eine fundierte Basis für die spätere Überprüfung der Kosten durch die Landesregulierungsbehörden oder die Bundesnetzagentur“, erläuterte Pfannschmidt. Er wies im Gespräch auch darauf hin, dass bei den Unternehmen durchaus Kosten verbleiben könnten. „Wir haben einen Fall, in dem es für das Unternehmen sinnvoll sein könnte, im Werk das L-Gas zu erhalten, weil der Umstellungsprozess kaum zu bewerkstelligen ist.“

Industrieunternehmen, so ein Branchenvertreter, fangen gerade erst an, sich mit der Problematik zu beschäftigen. Der Manager eines Netzbetreibers nannte gegenüber energate, das Geschäftsmodell einen interessanten Ansatz. Uwe Pfannschmidt, Andreas Bachor und Heinrich Kettrup sind die Gründer von Digasko. Sie sind seit Jahrzehnten in der Gaswirtschaft tätig und haben bei Ruhrgas ihr Handwerkszeug gelernt. Zudem sind Hans-Peter Floren, zuletzt Vorstand für Gas & Power bei OMV, und die energiewirtschaftliche „Boutique-Beratung“ Paatz Scholz van der Laan GmbH beteiligt. /hl

Quelle: energate Heiko Lohmann